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Wichtige Initiative im Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit

Die Jugendarbeitslosigkeit in Tirol ist niedriger als in den meisten EU-Ländern. Dies ist das Ergebnis vieler Einzelmaßnahmen, die in Tirol durchgeführt werden. Einer zentralen Säule im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit drohte das Aus. 

Eine der erfolgreichsten und nach wie vor hoch aktuellen Initiativen ist seit 1985 die Durchführung der berufskundlichen Mittelschulkurse zum Nachholen des Mittelschulabschlusses für Jugendliche. Im Auftrag des AMS Tirol organisiert das BFI Tirol seit 33 Jahren die berufskundliche Mittelschule mit großem Erfolg. Rund 1.700 Jugendliche haben bereits von diesen Kursen profitiert und konnten ihre Chancen auf einen gelungenen Berufseinstieg entscheidend verbessern. Bisher zeichnete das AMS Tirol alleine für die Finanzierung der Mittelschulkurse verantwortlich. Heuer fördern erstmals das Land Tirol und die AK Tirol gemeinsam mit dem AMS Tirol diese Initiative. 

Jede Ausbildung setzt in unserer Wissensgesellschaft ein solides Basiswissen voraus, der Arbeitsmarkt erfordert generell eine höhere Bildung. Grundsätzlich ist das Ausbildungsniveau im Steigen. Können Jugendliche im ersten Anlauf nicht mithalten, dann schmälert dies ihre Möglichkeiten auf einen erfolgreichen Berufseinstieg und damit viele Zukunftschancen. 

Bildungslandesrätin Dr. Beate Palfrader unterstreicht: „Die berufskundliche Mittelschule ist eine Erfolgsgeschichte geworden. Ich bin sehr froh, dass es in unserem Land diese Einrichtung gibt, um die Perspektiven am Arbeitsmarkt junger Menschen zu verbessern. Darum hat sich das Land Tirol eingesetzt, um diese wichtige Bildungsmaßnahme erhalten und Jugendlichen eine berufliche Zukunft ermöglichen zu können“

AK-Präsident Erwin Zangerl betont: „Unsere Bildungstochter, das BFI Tirol, wickelt die Mittelschulkurse seit Jahrzehnten in vorbildlicher Weise ab. Wenn man sieht, dass 1.700 Jugendliche diese zweite Chance ergriffen und ihren Bildungsabschluss nachgeholt haben, lässt sich erahnen, was das Aus für diese Kurse bedeutet hätte. Wir sind deshalb sofort gemeinsam mit dem Land finanziell eingesprungen, um zu retten was zu retten ist. Wer A sagt muss auch B sagen. Wer den Fachkräftemangel bejammert, muss attraktive Aus- und Weiterbildungsangebote schaffen.“

„60 Jugendliche haben sich bereits fix für den berufskundlichen Mittelschulkurs entschieden. Sie werden in dem kommenden Ausbildungsjahr nicht nur ihre schulische Reife beweisen, sie werden auch persönlich wachsen und damit ihre künftigen Chancen am Arbeitsmarkt entschieden verbessern. Ein besonderer Dank geht an die AK und das Land Tirol. Ohne ihre finanzielle und ideelle Unterstützung hätte der berufskundliche Mittelschulkurs 2018/2019 nicht starten können,“ so AMS Tirol Geschäftsführer Anton Kern.

Nicht nur Bildungsferne sondern Jugendliche aus allen sozialen Schichten haben Lern- oder Lebenskrisen, soziale oder medizinische Probleme, die es aufzuarbeiten gilt, um eine Abwärtsspirale zu durchbrechen. „Manche Jugendliche werden durch persönliche Krisen aus der Bahn geworfen. Diese jungen Menschen müssen behutsam begleitet werden, damit sie wieder den Weg zurück ins Leben finden. Dann stehen ihnen viele Wege offen, wie zahlreiche Beispiele beweisen,“ erläutert BFI Tirol Geschäftsführer Karin Klocker.    

Aufbauprogramm statt Schonhaltung hat sich bewährt und führte zu sehr nachhaltigen Berufswegen: Unternehmer finden sich ebenso unter den Abgänger/-innen wie eine bunte Vielfalt an erlernten handwerklichen Berufen, Handels- und Büroberufen oder Ausbildungen wie Krankenpflege, Chemielabortechnik sowie erfolgreiche Akademiker. Höherqualifizierung als wirksamste Maßnahme gegen Arbeitslosigkeit fängt mit dem Mittelschulabschluss an, er ist das wichtigste Fundament für ein erfolgreiches Berufsleben.

Weitere Informationen 

Wer seinen Mittelschulabschluss nachholt, verbessert seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Vor allem im Bereich der Lehrberufe ist ein Mittelschulabschluss heutzutage unabdingbare Voraussetzung. Darüber hinaus ist der Mittelschulabschluss die Basis für den Besuch weiterführender Schulen. Der Mittelschulkurs richtet sich an Jugendliche, die in der Pflichtschule keinen Abschluss erreichen konnten. Man kann laut Mikrozensus grob sagen, dass 1.500 Tiroler Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren ohne HS- oder PTS-Abschluss sind. Das sind etwas mehr als 3 % aller Jugendlichen dieser Altersgruppe in Tirol.

Das BFI Tirol führt seit vielen Jahren im Auftrag des AMS berufskundliche HS- bzw. Mittelschulkurse in Innsbruck durch. Pro Schuljahr werden rund 60 Jugendliche in den Mittelschulkurs aufgenommen, unterrichtet werden sie in sechs Gruppen zu zehn Personen. Das Trainer/-innenteam besteht aus der Leitung, Fachtrainer/-innen und Sozialpädagog/-innen, eine Jugendberaterin am AMS hat die Rolle der Kursverantwortlichen inne und fungiert als Schnittstelle zwischen BFI und AMS. Die wöchentliche Arbeitszeit der Jugendlichen beträgt 36 Stunden.

Allgemein wird die Zielgruppe aufgrund problematischer persönlicher Lebensumstände und sozialer Beziehungen in Verbindung mit schulischen Negativerfahrungen als sehr schwierig im Hinblick auf die in erfolgreichen Lern- und Bildungsprozessen erforderlichen positiven Einstellungen, Motivationen und Perspektiven geschildert. Interesse und Neugier müssen erst wieder geweckt werden um eine grundsätzliche Offenheit für die Aufnahme von Bildungsinhalten zu ermöglichen.

Das BFI Tirol verfügt über eine langjährige Erfahrung in der Konzeption und Umsetzung. Das dabei gewonnene Erfahrungswissen zeigt sich in einem überaus ambitionierten und umfangreichen organisatorischen und pädagogisch-didaktischen Konzept.

Neben der fachlichen Vorbereitung auf den Mittelschulabschluss wird Sozialpädagogik in Einzel- und Gruppensettings umgesetzt. Außerdem sind ein Betriebspraktikum und berufskundliche Exkursionen Bestandteil des Kurses.

Der Zugang von Teilnehmer/-innen zum Mittelschulkurs wird von einem zweistufigen Selektionsverfahren begleitet: 

Die erste Auswahl erfolgt durch Jugendberater/-innen am AMS 

Die zweite Auswahl erfolgt in einer fachlichen Abtestung in den drei Hauptgegenständen und der Überprüfung des Arbeits- und Sozialverhaltens in der Clearingwoche

Die Entscheidung über die tatsächliche Aufnahme wird im Rahmen des gesamten Teams, Trainer/-innen, Sozialpädagog/-innen, Projektleitung und Kursverantwortliche am AMS, getroffen.

Die Zielgruppe des Projektes sind all jene 15- bis 18-Jährigen, die über kein positives Mittelschulzeugnis verfügen, d. h. es handelt sich um eine äußerst heterogene Teilnehmer/-innengruppe:

Am Kurs nehmen Abbrecher/-innen von Gymnasien, Absolvent/-innen von Allgemeinen Sonderschulen, Drop-outs aus Mittelschulen, Absolventinnen von privaten Schulen, deren Abschlüsse nicht anerkannt werden, sowie Jugendliche mit Zeugnissen, die in Österreich nicht anerkannt werden, teil. Es nehmen Jugendliche mit sehr unterschiedlichen Lebensgeschichten am Kurs teil und bringen somit auch unterschiedliche Bedürfnisse und Probleme mit.

Zentral bei der Umsetzung ist ein individualisierter Zugang — die Teilnehmenden werden als Einzelpersonen wahrgenommen. Positiv werden dabei von Seiten der Absolvent/-innen die kleinen Gruppen, die Möglichkeit, so lange Fragen zu stellen, bis etwas verstanden worden ist, sowie die Aufmerksamkeit, die jeder/-m zukommt, hervorgehoben. Diese Erfahrungen werden auch in Abgrenzung zur Zeit in der Regelschule geschildert, wo dies gerade nicht so war. In den Erinnerungen ehemaliger Teilnehmer/-innen findet sich auch das, was von Projektmitarbeiter/-innenseite als Aufbrechen des Kursraumes und Herstellung von offenen, motivierenden Lernsettings beschrieben wird. Gemeinsam wird dabei über den Stoff diskutiert, anstatt diesen vorgetragen zu bekommen.

Das vorrangige Ziel des berufskundlichen Mittelschulkurses ist das Erlangen eines positiven Mittelschulabschlusses. Dies wurde in den letzten Jahren von knapp 70 % aller Teilnehmer/-innen erreicht. Die Prüfungen werden von einer Prüfungskommission der Neuen Mittelschule Kematen abgenommen.

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