Sie befinden sich hier:  Weiterbildung > News > Impulsvortrag Grenzenloses Europa

Impulsvortrag Grenzenloses Europa

Am 17. November 2015 referierte Privatdozent Dr. Andreas Exenberger, Wirtschaftshistoriker von der Universität Innsbruck, im Festsaal des BFI Tirol zu dem Thema "Grenzenloses Europa - Migration: Wohlstandsbedrohung oder Wirtschaftsmotor?"

Andreas Exenberger erläuterte dabei dem zahlreichen und interessierten Publikum sehr anschaulich die weltweite Entwicklung von Migration: Von historischen Auswanderungswellen in die USA im 19. Jahrhundert über die Flüchtlingsströme in Afrika und Asien bis zur aktuellen Flüchtlingssituation in Europa. Im Vortrag wurde aufgezeigt, dass Europa im weltweiten Kontext immer noch mit recht bescheidenen Flüchtlingszahlen konfrontiert ist. Die EU als Institution stößt in der Frage der Asylpolitik an Ihre derzeitigen politischen Grenzen. Es zeigt sich, dass kulturelle, religiöse und ethnische Differenzen immer noch die Tagespolitik mitbestimmen.

Wirtschaftlich betrachtet bietet die derzeitige Flüchtlingssituation sowohl Vor- wie auch Nachteile. Ein Großteil der Kosten für Asylwerber fließt in den eigenen Wirtschaftskreislauf wie beispielsweise für Unterkunft, Verpflegung oder die medizinische Versorgung. Allerdings sind Asylsuchende auch in den meisten Fällen billige Arbeitskräfte. Was für die Unternehmen ein Vorteil ist bzw. sein kann, wird für die Arbeiter und Angestellten in diesem Segment zur möglichen Bedrohung. Eine vernünftige Flüchtlingspolitik sollte jedenfalls auf diese Aspekte eingehen und regulierend bzw. ausgleichend wirken. 

Das Abriegeln der Grenzen stellt aus Sicht von Andreas Exenberger keine Lösung dar. Es wäre ein Rückschritt in eine Denkweise, die in einer zunehmend globalisierten Welt keinen Platz hat. Eine gezielte Finanzierung und qualifizierte Versorgung von Flüchtlingslagern in der Nähe der jeweiligen Krisengebiete würde hingegen den Flüchtlingsstrom deutlich einbremsen. Österreich liegt schon seit je her über dem Europadurchschnitt was die Zuwanderung betrifft. Die größte Zahl an Zuwanderern in Österreich kommt übrigens aus Deutschland. Gemeinsam mit den Menschen aus den übrigen EU-Staaten bilden sie mehr als die Hälfte der Migranten in Österreich. 

Auch auf Details zum Thema Syrien nahm der Vortrag Bezug. In Syrien sind von den 21 Millionen Einwohnern derzeit rund 12 Millionen auf der Flucht. Geschätzte 8 Millionen davon leben in anderen Landesteilen von Syrien - etwa 1 Million halten sich derzeit im Libanon auf. Es kommt also nur ein kleiner Teil bis Europa. Nachdem ein Ende des Krieges in Syrien derzeit nicht absehbar ist, kann man auch davon ausgehen, dass viele der Asylsuchenden langfristig in Europa bleiben werden. 

Alles in allem war der Vortrag eine sehr sachliche Betrachtung der derzeitigen Flüchtlingssituation. Es wurden Chancen und Risiken gleichermaßen aufgezeigt, ohne dabei den Aufruf zur Menschlichkeit außer Acht zu lassen. Die zahlreichen Fragen aus dem Publikum am Ende des Vortrags zeigten das große Interesse an diesem brandaktuellen Thema und dem Wunsch nach fundierten Informationen.

(v.l.n.r.) GF BFI Tirol Simone Riedl, Andreas Exenberger, Leiter Abteilung Wirtschaft Manfred Meyer (Bildrechte: BFI Tirol)
../../fileadmin/Bilder/Bilder_zu_NEWS_PR_Meldungen/Archiv_2015/Grenzenloses_Europa2_800x600.jpg
../../fileadmin/Bilder/Bilder_zu_NEWS_PR_Meldungen/Archiv_2015/Grenzenloses_Europa3_800x600.jpg
../../fileadmin/Bilder/Bilder_zu_NEWS_PR_Meldungen/Archiv_2015/Grenzenloses_Europa4_800x600.jpg
 


Der neue BFI TV-Spot 2017

BFI Tirol Gewinnspiel

../../fileadmin/Bilder/Logos/ORF_T_radio_4c.jpg

Jeden Montag Radio Tirol hören und einen BFI Tirol Bildungsgutschein gewinnen!