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30 Jahre Jubiläum - Hauptschulkurse des AMS und BFI Tirol für Jugendliche

30 Jahre Berufskundliche Hauptschulkurse am BFI Tirol

Seit nunmehr 30 Jahren organisiert das BFI Tirol den Berufskundlichen Hauptschulkurs unter der Leitung von Oswald Zangerle.

Die Veranstaltung zur Jubiläumsfeier beginnt am

 

Donnerstag, den 25. Juni 2015 um 11.00 Uhr
in der Landesgeschäftsstelle des AMS in der Amraser Straße 8

 

mit einem Vortrag von Mag. Mario Steiner zur beruflichen Situation Jugendlicher in Tirol ohne Abschluss.

Um 14.00 Uhr geht im Festsaal des BFI Tirol in der Ing.-Etzel-Straße 7 die 30 Jahrfeier weiter. Es wird u. a. ein ca. 20 minütigen Film vorgeführt, in dem Jugendliche, ehemalige Teilnehmer vor allem aber auch Vertreter des AMS, der AK Tirol, der Landesregierung  und der Schulbehörde ihre Sicht auf den Hauptschulkurs und die Wichtigkeit des Abschlusses darlegen.  

 

Berufskundliche Hauptschulkurse des BFI Tirol (Artikel erschienen: im Januar 2015, TIBS - Tiroler Bildungsservice)

Seit 1985 werden die Berufskundlichen Hauptschulkurse des BFI Tirol für Jugendliche ohne Hauptschulabschluss durchgeführt. Die Jugendlichen sind im Alter zwischen 15 und 18 Jahren und oft lehrstellensuchend. Ein Kurs dauert 10 Monate. Der Unterricht erfolgt in  Blockform, die Prüfungen werden gestaffelt im Laufe der Kurse abgelegt. Die Prüfungsvorbereitung orientiert sich am Lehrplan der 4. Klasse der Hauptschule. Die Schüler und Schülerinnen werden in Kleingruppen (6 - 10 Personen) unterrichtet. Dadurch ist es möglich, die Lernfortschritte genau wahrzunehmen und gezielt zu fördern. Die Prüfungen selbst werden von einer Prüfungskommission der Neuen Mittelschule Kematen abgenommen." (Quelle: hs-abschluss.tsn.at; 20.1.2015)

 

Am 20. Jänner 2015 fand in den Räumlichkeiten des Hauptschulkurses des BFI im Volkshaus, Radetzkystraße, Innsbruck, eine Informationsveranstaltung für die kommenden Hauptschulkurse des BFI bzw. AMS bzw. eine Rückschau auf die letzten 30 Jahre seit Beginn dieser mehr oder weniger einmaligen Ausbildungsmöglichkeit in Österreich statt. Eingeladen waren Verantwortliche aus dem Bildungs- und Sozialarbeitsbereich Tirols seitens der Veranstalterin Jane Platter, Arbeitsmarktförderungsgesellschaft AMG Tirol und Leiterin der Koordinationsstelle Übergang Schule/Beruf im Auftrag des "beschäftigungspakt tirol".

Die Kurse finden nun seit 30 Jahren statt. Begonnen wurde damals 1985 mit einer Gruppe von ca. 20 Jugendlichen und über die Jahre hat sich die Anzahl der Teilnehmer jährlich auf ca. 60 Jugendliche erhöht. Nicht alle von ihnen schaffen es tatsächlich einen Abschluss zu erreichen, denn ca. 30 % steigen im Laufe des Jahres aus verschiedensten Gründen aus und sind nicht mehr nachverfolgbar. Doch der Großteil der Jugendlichen kommt über die schwere Hürde hinweg binnen eines Jahres all die über vielen Lebensjahre erworbenen bzw. zugefügten Defizite nachzuholen. Der erreichte Abschluss ist aber keine Garantie für einen erfolgreiche Karriere danach und so schätzt das AMS, dass letztendlich ca. 45% der Teilnehmer dieser Kurse einen vollen Berufseinstieg mit nachfolgendem geregelten Einkommen und entsprechender Lebensqualität erreicht haben.  Diese Erfolgszahl spricht für eine unbedingte Beibehaltung und Finanzierung der Hauptschulabschlusskurse für die kommenden Jahre, vor allem angesichts der steigenden Arbeitslosenzahlen und angespannten Wirtschaftslage. Wenn man bedenkt, dass von Experten der Volkswirtschaft die Kosten eines arbeitslosen Jugendlichen für die kommenden Jahre - bezogen auf seine zu erwartende Lebenszeit und die Folgen seiner/ihrer Arbeitslosigkeit - mit 1,8 Millionen Euro beziffert wird - ist jede Erfolgsmeldung ein großer Gewinn. Deshalb hat das AMS als einziger Finanzgeber beschlossen, dass diese Kurse auch im kommenden Jahr weitergeführt werden - trotz der angespannten Budgetlage, welche andere Vereine sehr wohl stark zu spüren bekommen - und das sind nicht die Trachtenmusikkapellen oder die landwirtschaftlichen Pfarreien des Landes Tirols. Die haben ihr eigenes Budget - über das man streiten könnte - und auch nichts mit dem AMS zu tun haben.

Die Jugendlichen, die sich für einen Platz im Kurs bewerben, haben in den meisten Fällen eine sehr leidvolle Geschichte hinter sich gebracht oder stecken noch mitten drin. Viele erfüllen die Aufnahmevoraussetzungen für eine Aufnahme auch nicht - jährlich gibt es zwischen 90 und 120 Bewerber, aber nur ca. 60 werden akzeptiert, wenn sie nach einem Eignungstest und Beratungsgesprächen auf ihre Fähigkeiten und vor allem auf ihre Motivation hin geprüft werden. Auf Grund ihrer erlittenen Traumatas und Lebensumstände arbeiten in den Kursen 3 hauptamtliche Vollzeit-Sozialarbeiter, deren Aufgabe es ist, die Jugendlichen immer wieder in ihren Konflikten zu beraten, zu unterstützen und helfend zur Seite zu stehen.

Die Teilnehmer sind krankenversichert und werden daher - zur Abdeckung der Kosten aus gesetzlichen Gründen - bezahlt für ihre Ausbildung - 10 Euro am Tag, was monatlich ca. 300 Euro ausmacht, vorausgesetzt, dass sie ihre Pflichten erfüllen. Manchmal verlockt diese Tatsache Schüler aus den Pflichtschulen, ihre Ausbildung direkt abzubrechen - "Ich werde für das Lernen ja am BFI bezahlt" - und brechen die 4. Klasse NMS oder HS einfach ab. Doch deren Chancen für eine Aufnahme in einem HS-Abschlusskurs sind gering - zu durchsichtig ist ihre scheinbare Motivation, zu sicher das Scheitern Monate später.

Auf Grund der derzeitigen geburtenschwachen Jahrgänge hat sich Anzahl der Bewerber in letzten Jahren nicht wirklich erhöht, auch wenn die wirtschaftliche Lage dies vermuten ließe.

Tatsache ist und bleibt, dass das Team um Oswald Zangerle großartige Arbeit leistet und zu hoffen bleibt, dass dies auch weiterhin möglich sein wird - und sogenannten neoliberal ideologisierten "Optimierer" aus der Schule  Hayeks und Friedmans keine Chance gibt.

 

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