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Mit Freude lernen - ein Leben lang

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Mit Freude lernen - so der gleichlautende Titel eines Buchs des bekannten Neurobiologen und Leiters der Akademie für Potentialentfaltung, Gerald Hüther. Darin untermauert er seine Diagnose, warum  uns schon im Kindesalter die Freude am Lernen genommen wird und welche Voraussetzungen notwendig sind, um diese angeborene Freude und positive Neugier wieder erlangen zu können. 

In seinem Buch beschreibt der Autor eingangs in sieben Thesen, aus seiner wissenschaftlichen Sicht, neurobiologische Erkenntnisse und warum Lernen auch Leben bedeutet und umgekehrt. 

Leben heißt lernen
Lernen findet nie isoliert statt. Jedes Lebewesen steht in Beziehung zu anderen Lebewesen und zu seiner Umwelt. Ob Einzeller, Vielzeller wie Tiere oder der Mensch, aber auch soziale Systeme sind abhängig von diesen Beziehungen. Diese lebenden Organismen oder Systeme sind auch dadurch bestimmt, dass sie stets einem Umfeld ausgesetzt sind, das sich laufend verändert. 

Das bedeutet gleichzeitig, dass eine ständige Weiterentwicklung, also ein Lernen, notwendig ist, um in einem instabilen Lebensraum neue Lösungen finden und sich anpassen zu können. Die gesamte Evolution lässt sich - vereinfacht gesagt - durch dieses Muster erklären. Sonst hätte sich nie aus einfachen Einzellern ein so komplexes Ökosystem, wie es heute besteht, entwickeln können. Lernprozesse werden in diesen Systemen primär durch äußere Störungen und in Gang gesetzt. Auf diese Störungen der Kohärenz entwickelt jedes Lebewesen ein Reaktionsmuster, das sofern dieses verankert wird, ein Lernen darstellt.

Für diese Lernprozesse ist nicht einmal die Ausbildung von Nervenzellen oder eines Gehirns notwendig. Bereits Einzeller oder Bakterien reagieren bzw. lernen nach diesem Grundprinzip. Leben heißt verändern, verändern bedeutet lernen.

Voraussetzungen für Lernen mit Freude
Ein Neugeborenes bringt alle Voraussetzungen mit, um sich alles Aneignen zu können, was für das Hineinwachsen in eine Gemeinschaft notwendig ist. Das menschliche Gehirn ist sehr plastisch und bei Kindern besonders formbar. Das Kind lernt von anderen Personen und vor allem dann, wenn etwas als bedeutsam erachtet wird. Und dies ist ein grundlegender Einflussfaktor: Nur wenn etwas als besonders wichtig für das eigene Leben empfunden wird, wird die Aufmerksamkeit auf das gelenkt, was eine Person sagt oder macht. "Der betreffende Lernstoff muss also emotional aufgeladen sein.", so Neurobiologe Gerald Hüther. Immer wenn etwas wahrgenommen, erlebt oder getan wird, das uns freut und begeistert, werden emotionale Zentren im Gehirn aktiviert. 

Nur dann kommt es zur notwendigen inneren Erregung und der Freisetzung der erforderlichen Botenstoffe für die Erweiterung der Netzwerke im Gehirn. Kinder erleben pro Tag 50 bis 100 Mal einen Sturm der Begeisterung, der durch ihr Gehirn geht, wenn sie etwas Neues entdecken. Diese Emotionen sind wie "Dünger" für die neuronalen Netzwerke im Gehirn, zur Sicherung von nachhaltigem Lernen.


Lernfrust statt Lernlust
Menschen haben eine angeborene Wissbegierde und Lernlust - beobachtbar, wenn Kinder fragend und spielend die Welt erkunden. Sie werden jedoch daran gehindert, wenn sie jemand "von außen" belehren oder unterrichten will. Dann geht bei vielen Kindern die Lernlust verloren, da sie sich als Objekt von Erziehungs- und Unterrichtsmaßnahmen und nicht mehr als Gestalter eigener Lernprozesse sehen. Dann wird diese Situation als schmerzhafte, unangenehme Erfahrung wahrgenommen.

Dazu kommt, dass Angst, Stress oder Überforderung nachweislich die Entwicklung des Gehirns hemmen, genauso wie Vernachlässigung oder Unterforderung. Aus diesen Gründen und mit diesen negativen Lernerfahrungen schwindet für den Rest des Lebens die Freude und Begeisterung fürs Lernen und nur wenigen Menschen gelingt es, die angeborene Entdeckerfreude und Gestaltungslust bis ins hohe Alter zu bewahren. Wenn man im Alter nichts Neues mehr lernen will, ist das kein hirntechnisches Problem, sondern ein Begeisterungsproblem. 

Für mehr Freude am Lernen ist eine neue Kultur im Umgang miteinander notwendig. Statt Druck und Konkurrenz brauch es gegenseitige Ermutigung und Inspiration, um den Entdecker und Gestalter in uns zu bewahren bzw. wieder zu wecken. Man wird glücklich, wenn man immer wieder etwas Neues dazulernt, sein Potenzial entfalten kann, wie es bei Kindern der Fall ist. 

"Lassen sie uns eine Kultur gestalten, in der viel mehr gelernt wird und in der Kinder, Erwachsenen und älteren Menschen ein Leben lang das Gefühl erhalten bleibt, wie wunderbar es ist, immer wieder etwas Neues dazuzulernen", so Gerald Hüther.

www.gerald-huether.de

 

 

 



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